Taurin für Katzen: Bedarf, Mangel erkennen und wann Zufüttern nötig ist

Taurin für Katzen ist ein Nährstoff, ohne den Herz und Augen auf Dauer Schaden nehmen. Deine Katze kann ihn kaum selbst herstellen und ist auf ihr Futter angewiesen. Mit einem fertigen Alleinfutter für Katzen bekommt sie in der Regel genug. Aufpassen musst du vor allem, wenn du das Futter selbst zusammenstellst.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Katzen bilden Taurin kaum selbst und brauchen es über die Nahrung, zum Beispiel aus Fleisch, Herz und Innereien.
- Ein Alleinfuttermittel für Katzen deckt den Bedarf in der Regel, ein Mangel ist bei solchem Futter selten.
- Die FEDIAF nennt für erwachsene Katzen mindestens 0,10 g je 100 g Trockenmasse bei Trockenfutter und 0,20 g bei Nassfutter.
- Gefährdet sind Katzen mit Barf ohne durchgerechneten Plan, mit selbst gekochtem, vegetarischem oder veganem Futter und Katzen, die überwiegend Hundefutter oder Ergänzungsfutter fressen.
- Warnzeichen wie angestrengte Atmung, Müdigkeit oder Unsicherheit beim Sehen klärst du beim Tierarzt.
- Zu viel Taurin aus dem Futter gilt als unbedenklich. Pulver gibst du nach tierärztlichem Befund oder laut durchgerechnetem Futterplan, nicht auf Verdacht.
Was ist Taurin und warum brauchen Katzen es?
Taurin ist eine Aminosulfonsäure, ein enger Verwandter der Aminosäuren. Anders als diese baut der Körper es nicht in Eiweiß ein. Es liegt frei in den Geweben vor, besonders viel davon im Herzmuskel und in der Netzhaut des Auges.
Für deine Katze hat Taurin mehrere Aufgaben. Es hält den Herzmuskel leistungsfähig, schützt die Sehzellen der Netzhaut und wird für die Fortpflanzung und die Entwicklung der Kitten gebraucht. Auch für die Verdauung braucht sie es, denn die Leber bindet die Gallensäuren an Taurin, und erst so helfen sie dabei, Fett aus dem Futter aufzunehmen.
Genau hier liegt der Unterschied zu Hund und Mensch. Deine Katze stellt in der Leber nur wenig Taurin selbst her, und sie bindet ihre Gallensäuren fast vollständig an Taurin. Ein Hund kann dafür auf eine andere Aminosäure ausweichen, die Katze nicht. Mit jeder Verdauung verliert sie also Taurin, das sie über das Futter wieder aufnehmen muss.
In der Natur ist das kein Problem. Eine Maus bringt das Taurin gleich mit, in Muskeln, Herz und Organen. Deshalb gilt Taurin für Katzen als essenzieller Nährstoff, den das Futter liefern muss.
Wie viel Taurin braucht eine Katze?
Den Bedarf gibt die Fachliteratur nicht als Menge pro Tag an, sondern als Gehalt im Futter, bezogen auf die Trockenmasse. Maßgeblich für Katzenfutter in Europa sind die Leitlinien des Herstellerverbands FEDIAF. Die folgenden Werte stammen aus der Fassung von 2019 und sind Mindestwerte je 100 g Trockenmasse.
| Futterart | Erwachsene Katze | Kitten, Trächtigkeit und Säugezeit |
|---|---|---|
| Trockenfutter | 0,10 g | 0,10 g |
| Nassfutter | 0,20 g | 0,25 g |
Dass Nassfutter mehr Taurin braucht, liegt an der Herstellung. Beim Erhitzen in der Dose verändert sich das Futter so, dass im Darm mehr Taurin abgebaut wird, bevor deine Katze es aufnehmen kann. Einen Höchstwert für Taurin legt die FEDIAF nicht fest.
Für Kitten sowie trächtige und säugende Katzen steigt der Wert bei Nassfutter auf 0,25 g. Wie du junge Katzen sonst gut versorgst, liest du unter Katzenbabys: Wachstum und Entwicklung. Einen eigenen Wert für ältere Katzen nennt die FEDIAF nicht, für sie gelten die Angaben für erwachsene Katzen. Hat deine Seniorin eine Herz- oder Nierenerkrankung, stimmst du das Futter mit deinem Tierarzt ab. Woran du erkennst, dass deine Katze in die Jahre kommt, steht im Beitrag zur alten Katze.
So liest du die Taurin-Angabe auf dem Etikett
Auf der Packung findest du Taurin meist unter den Zusatzstoffen, angegeben in Milligramm je Kilogramm. Diese Zahl nennt das zugesetzte Taurin und bezieht sich auf das Futter, wie es in der Dose liegt, Wasser eingeschlossen. Das Taurin, das von Natur aus im Fleisch steckt, kommt noch dazu und steht nicht auf dem Etikett.
Angenommen, auf einem Nassfutter steht „Taurin 500 mg/kg“ und es hat 80 % Feuchte. Dann macht die Trockenmasse 20 % aus. Teil die 500 mg durch 0,2, dann kommst du auf 2.500 mg je Kilogramm Trockenmasse, also 0,25 g je 100 g. Das liegt über den 0,20 g für erwachsene Katzen, ohne das natürliche Taurin mitzuzählen. Für dein eigenes Futter setzt du die Werte von deiner Packung ein. Dieselbe Umrechnung erklären wir ausführlicher beim Thema Rohasche im Katzenfutter.
Wo Taurin drinsteckt: Alleinfutter, Barf, Selbstgekochtes
Nass- und Trockenfutter
Achte auf das Wort Alleinfuttermittel auf der Packung. Ein solches Futter ist dafür gemacht, den Bedarf deiner Katze ohne weitere Zutaten zu decken, Taurin eingeschlossen. Ergänzungsfuttermittel wie Snacks und manche Nassfuttersorten reichen dafür allein nicht. Gibst du deiner Katze überwiegend ein Ergänzungsfutter, fehlt ihr womöglich mehr als Taurin. Was beim Futter für Wohnungskatzen sonst zählt, haben wir unter Futter für Wohnungskatzen zusammengefasst.
Barf
Rohes Fleisch enthält Taurin, besonders viel steckt in Herz und dunklem Muskelfleisch. Wie viel deine Katze am Ende bekommt, hängt von den Fleischsorten und vom Anteil an Herz und Innereien ab. Wenn du BARF fütterst, rechne den Plan deshalb mit einem Tierarzt oder einer Ernährungsberatung durch. Dabei klärst du auch, ob und wie viel Taurin du ergänzt.
Selbst gekochtes Futter
Taurin löst sich in Wasser. Kochst du Fleisch für deine Katze, kann ein Teil davon ins Kochwasser übergehen, beim Backen oder Braten bleibt mehr im Fleisch. Gib das Kochwasser deshalb mit in den Napf und lass auch hier den Futterplan von Fachleuten prüfen, denn ein Futterplan muss neben Taurin auch die übrigen Nährstoffe abdecken.
Vegetarisch, vegan und Hundefutter
Pflanzen enthalten nur sehr wenig Taurin. Ein vegetarisches oder veganes Katzenfutter funktioniert deshalb allenfalls mit zugesetztem Taurin und gehört in tierärztliche Begleitung. Auch Hundefutter ist für deine Katze keine Lösung auf Dauer, denn es ist nicht auf ihren Taurinbedarf ausgelegt. Frisst sie gelegentlich aus dem Hundenapf, ist das kein Grund zur Sorge.
Taurinmangel erkennen
Ein Taurinmangel entwickelt sich langsam und fällt oft erst auf, wenn schon Organe betroffen sind. Die Warnzeichen sind keine Diagnose, sie sind ein Grund für den Tierarztbesuch.
Herz
Fehlt Taurin über längere Zeit, kann sich der Herzmuskel erweitern und an Kraft verlieren, die dilatative Kardiomyopathie. Achte auf schnelle oder angestrengte Atmung in Ruhe, auf Müdigkeit und wenig Appetit. Atmet deine Katze mit offenem Maul oder sichtlich schwer, fährst du ohne Abwarten zum Tierarzt. Dass ein Mangel dahinterstecken kann, zeigte 1987 eine Studie der Universität von Kalifornien in Davis (Pion und Kollegen). Bei den Katzen besserte sich die Herzfunktion, nachdem sie Taurin bekamen. Seit Katzenfutter mehr Taurin enthält, ist diese Form der Herzerkrankung selten geworden.
Augen
Ein Mangel schädigt die Sehzellen der Netzhaut. Anfangs merkst du davon wenig, später wirkt deine Katze unsicher im Dunkeln. Am Ende kann sie erblinden. Anders als am Herz bildet sich der Schaden an der Netzhaut nicht zurück, deshalb lohnt es sich, früh hinzusehen.
Fortpflanzung und Kitten
Bei Zuchtkatzen führt Taurinmangel zu Fehlgeburten und kleinen, schwachen Würfen, die Kitten wachsen schlechter.
Fell und Verdauung
Stumpfes Fell oder Verdauungsprobleme werden oft mit Taurin in Verbindung gebracht. Beides hat aber viele Ursachen und ist kein sicheres Zeichen für einen Mangel.
So gehst du bei Verdacht vor
- Schreib auf, was deine Katze frisst, mit Sorte und Etikett, und nimm die Liste mit in die Praxis.
- Dein Tierarzt kann den Taurinspiegel im Blut messen lassen und, je nach Anzeichen, Herz und Augen untersuchen.
- Ändere das Futter nicht auf eigene Faust und gib kein Pulver, bevor der Befund da ist.
Besonders gefährdet sind Katzen mit Barf ohne durchgerechneten Plan, mit selbst gekochtem, vegetarischem oder veganem Futter und Katzen, die überwiegend Hundefutter oder Ergänzungsfutter fressen.
Taurin zufüttern: wann sinnvoll, wann unnötig
Frisst deine gesunde Katze ein Alleinfuttermittel, brauchst du in der Regel kein Taurin zuzufüttern. Sinnvoll wird es in zwei Fällen. Dein Tierarzt hat einen Mangel festgestellt, oder du fütterst selbst zusammengestellt und der durchgerechnete Plan sieht einen Zusatz vor. Die Menge kommt dann aus dem Plan oder vom Tierarzt, nicht aus einem Ratgeber im Netz und nicht nach Gefühl. Das gilt auch für andere Futterergänzungen, wie wir sie mit purapep für Haut und Fell bei unseren Katern ausprobiert haben.
Ist zu viel Taurin schädlich?
Aus dem Futter in der Regel nicht. Die FEDIAF nennt keinen Höchstwert für Taurin im Katzenfutter. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hält Taurin in den Mengen, die Katzen brauchen, für sicher. Den Sicherheitsabstand setzt sie in ihrem Gutachten von 2012 beim Vier- bis Zwanzigfachen des Bedarfs an.
Das heißt nicht, dass mehr besser ist. Streust du Pulver nach Gefühl über ein vollwertiges Futter, gewinnt deine Katze nichts dazu. Hat sie eine Erkrankung oder bekommt sie Medikamente, sprich jeden Zusatz vorher mit deinem Tierarzt ab.
Unser Fazit
Taurin ist für deine Katze lebenswichtig, und trotzdem musst du dich bei fertigem Alleinfutter selten darum kümmern. Der Hersteller setzt es zu, und die FEDIAF-Werte von 0,10 g bei Trockenfutter und 0,20 g bei Nassfutter je 100 g Trockenmasse geben dir einen Maßstab, falls du nachrechnen willst. Aufmerksam wirst du, sobald du selbst kochst, barfst oder vegetarisch fütterst. Dann gehört ein durchgerechneter Plan dazu, und bei Warnzeichen an Herz oder Augen führt der Weg in die Tierarztpraxis, nicht zum Pulver.
Wie du Werte vom Etikett auf die Trockenmasse umrechnest, steht im Beitrag zur Rohasche im Katzenfutter, und unsere Erfahrungen mit rohem Fleisch findest du im BARF-Test.
Häufige Fragen zu Taurin für Katzen
Soll man Katzen Taurin geben?
Bekommt deine Katze ein Alleinfuttermittel für Katzen, brauchst du in der Regel kein Taurin zuzufüttern, denn der Hersteller setzt es zu. Anders sieht es bei Barf, selbst gekochtem oder vegetarischem Futter aus. Dann gehört Taurin in die Rechnung des Futterplans, und ob und wie viel du ergänzt, legst du mit deinem Tierarzt oder einer Ernährungsberatung fest.
Wie äußert sich Taurinmangel bei Katzen?
Ein Mangel entwickelt sich schleichend. Am Herz zeigt er sich durch schnelle oder angestrengte Atmung in Ruhe, Müdigkeit und wenig Appetit, an den Augen durch Unsicherheit im Dunkeln bis hin zur Erblindung. Bei Zuchtkatzen kommen Fehlgeburten und schwache Kitten vor. Atmet deine Katze schwer, fährst du ohne Abwarten zum Tierarzt.
Ist zu viel Taurin schädlich für Katzen?
Aus dem Futter in der Regel nicht. Die FEDIAF nennt keinen Höchstwert, und die EFSA hält Taurin im Katzenfutter für sicher, mit einem Sicherheitsabstand vom Vier- bis Zwanzigfachen des Bedarfs (Gutachten von 2012). Pulver nach Gefühl über ein vollwertiges Futter zu streuen bringt deiner Katze aber nichts, und eine kranke Katze bekommt Zusätze nach Absprache mit dem Tierarzt.
Wie viel Taurin muss im Katzenfutter sein?
Für erwachsene Katzen nennt die FEDIAF mindestens 0,10 g Taurin je 100 g Trockenmasse bei Trockenfutter und 0,20 g bei Nassfutter. Für Kitten sowie trächtige und säugende Katzen liegt der Wert für Nassfutter bei 0,25 g, für Trockenfutter bleibt er bei 0,10 g.
Gibt es einen Testsieger für Taurin für Katzen?
Ein Testsieger beantwortet nicht die wichtigere Frage, ob deine Katze überhaupt zusätzliches Taurin braucht. Mit einem Alleinfuttermittel ist das selten der Fall. Fütterst du selbst zusammengestellt, richtet sich das passende Produkt und die Menge nach dem durchgerechneten Futterplan.


